Flexible Arbeitszeit – COMCAVE.COLLEGE® Magazin

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Flexible Arbeitszeit: In der Digitalisierung immer wichtiger und einfacher umzusetzen

Comcave College GmbH

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Gestaltung der Arbeitszeit ist durch das Arbeitszeitgesetz geregelt. Dieses enthält aber gewissen Spielraum für die Schaffung flexibler Arbeitszeiten.
  • Zu den häufigsten flexiblen Arbeitszeitmodellen gehören die Gleitzeit, das Job Sharing, Remote Work und auch das Langzeitarbeitskonto. Allen gemein ist ein mehr oder weniger großer Anteil zeitlicher Selbstbestimmtheit des Angestellten.
  • Für Arbeitnehmer resultiert flexible Arbeitszeit vor allem in mehr persönlicher Freiheit, einer besseren Work-Life-Balance und weniger Stress im Job.
  • Arbeitgeber profitieren von einer nachweislich höheren Produktivität der Belegschaft, weniger Leerlaufkosten und geringeren Zuschlägen bei Produktionsspitzen.

Flexible Arbeitszeit und die rechtlichen Rahmenbedingungen

Die Forderung nach flexibler Arbeitszeit ist noch relativ neu. Die Verhandlungen werden zwischen Arbeitnehmern und Gewerkschaften auf der einen und Arbeitgebern und deren Verbänden auf der anderen Seite geführt. Bislang ging es meist um Lohnerhöhungen oder Arbeitszeitverkürzungen. Flexible Arbeitszeit kann nun eine Möglichkeit sein, beide klassischen Forderungen ohne eine Verteuerung der Arbeitsplätze zu erreichen.

Das Arbeitszeitgesetz schafft die nötigen rechtlichen Rahmenbedingungen, um flexible Arbeitszeit in einen Betrieb zu integrieren. Zu unterscheiden sind allerdings die rein betriebswirtschaftlich argumentierten Arbeitszeiten, im Sinne der Betriebseffizienz, sowie die tatsächliche flexible Arbeitszeit, bei der auch der Mitarbeiter mitbestimmen kann.

Flexible Arbeitszeitmodelle

Grundsätzlich können auch Schichtarbeiten, Teilzeitarbeit oder konventionelle Überstunden als flexible Arbeitszeitmodelle gelten. Allerdings sind alle diese Lösungen in der Regel vom Arbeitgeber diktiert. Echte, moderne Modelle sind hingegen folgende:

  • Gleitzeit: Bei dieser Regelung gibt der Arbeitgeber gewisse Kernarbeitszeiten vor, zu denen Sie zu erscheinen haben. Davor oder danach können Sie bis zu einem gewissen Grad selbst entscheiden, wann Sie beginnen, wann Sie Feierabend machen und wie viele Stunden Sie arbeiten. Die exakte Arbeitszeit wird auf einem Arbeitszeitkonto angesammelt.
  • Jobsharing: Bei diesem Modell teilen sich zwei oder mehr Mitarbeiter eine Vollzeitstelle. Die genaue Aufteilung der Aufgaben und Zeiten kann dabei flexibel sein. Allerdings erfordert diese Art flexibler Arbeitszeit eine effiziente Absprache und Kommunikation.
  • Langzeitarbeitskonto: Anders als bei der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit pro Woche oder Monat ermöglicht ein Langzeitarbeitskonto es, über Jahre hinweg Arbeitszeitstunden zu sammeln und gegebenenfalls gegen längere Urlaubszeiten oder Freistellung einzutauschen.
  • Home Office/Remote Work: Das Arbeiten im Home Office oder sogar völlig ortsunabhängig im Remote Work geht oft einher mit der relativ freien Arbeitszeiteinteilung. Die flexible Arbeitszeit und die Freiheit von der festen Arbeitsstelle ermöglichen oft die höchste Produktivität.
  • Vertrauensarbeitszeit: Durchaus risikobehaftet, aber von Mitarbeitern sehr geschätzt, ist die Vertrauensarbeitszeit. Dabei entfallen sämtliche zeitlichen Vorgaben. Allein das Erreichen eines definierten Ziels ist entscheidend. Für dieses Modell braucht es sehr selbstständige und motivierte Mitarbeiter.

Flexible Arbeitszeit: Vorteile für Arbeitnehmer

Bislang galt die Höhe des Entgelts als wichtigste Verhandlungsmasse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Doch dies ändert sich, vor allem in Bereichen mit hoher Nachfrage nach Fachkräften, etwa in der IT. Fachleute verlangen nach mehr Zeitsouveränität, um die eigene Zeit besser nutzen zu können. Das statische Arbeiten von 9 bis 5 wird diesem Verlangen oft nicht gerecht.

Flexible Arbeitszeiten ermöglichen es Ihnen, private Verpflichtungen besser in den Alltag zu integrieren. Behördengänge oder Arztbesuche müssen dann nicht mehr an Urlaubstagen gemacht werden und auch die Kinderbetreuung gestaltet sich oft einfacher. Doch auch Freizeitaktivitäten haben mehr Spielraum. Das erhöht Zufriedenheit und Frische des Personals.

Nicht zuletzt ist auch die reine und starre Arbeitszeit ein Stressfaktor, den moderne Unternehmen erkannt haben. Microsoft Japan verringerte 2019 die Arbeitszeit testweise um einen vollen Tag pro Woche und hatte Erfolg. Mitarbeiterzufriedenheit und Umsatz stiegen deutlich.

Moderne Arbeitszeitmodelle sind auch für Arbeitgeber günstig

Abgesehen von den positiven Auswirkungen auf die Motivation und Gesundheit des Personals gibt es weitere gute Gründe, warum Unternehmen auf flexible Arbeitszeiten setzen sollten. Das gilt vor allem in Zeiten der Digitalisierung, da sich durch technologische Errungenschaften und Automatisierung die Betriebszeiten von den Arbeitszeiten entkoppeln.

Untätige oder unterforderte Arbeitnehmer sind für Unternehmen hochgradig unwirtschaftlich. Gleichzeitig sind Überstunden bei hohem Arbeitspensum teuer. Gleitzeitmodelle und Arbeitszeitkonten helfen dabei, unproduktive Phasen zu verringern und Hochphasen günstiger mit Personal zu besetzen.

Besonders Unternehmen, die um immer knapper werdende Fachkräfte buhlen, können sich durch flexible Arbeitszeiten einen Vorteil verschaffen. Moderne Familien sehen Zeit als höchstes Gut an, sofern der Verdienst eine gewisse Schwelle überschritten hat. Unternehmen punkten dann eher durch flexible Arbeitszeit als durch ein paar Euro mehr auf dem Gehaltscheck.

Trotz der Vorteile flexibler Arbeitszeiten müssen natürlich die rechtlichen Vorgaben stets eingehalten werden – etwa zu Pausenzeiten oder Ruhezeiten zwischen Schichten. Zugleich besteht bei manchen Arbeitszeitmodellen die Gefahr, unbewusst oder aus Pflichtgefühl unvergütete Mehrarbeit zu leisten. Dies wirkt natürlich den eigentlichen Vorteilen der flexiblen Arbeitszeiten entgegen.

Kurz und knapp: Flexible Arbeitszeit

Zeit als knappe Ressource wird immer wichtiger – für Arbeitnehmer genauso wie für Arbeitgeber. In der Digitalisierung spielt die reine Arbeitszeit nicht mehr die wichtigste Rolle. Geistige Frische, Kosteneffizienz und Mitarbeitermotivation hingegen erreichten viele Unternehmen nur durch flexible Arbeitszeitmodelle. Bei Gleitzeit, Jobsharing oder Langzeitarbeitskonto profitieren am Ende meist alle Beteiligten.

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